Wir wohnen in der Shopping Mall. Für die einen ist das der Traum ihrer schlaflosen Nächte, für die anderen auch. Nur anders. Und so erkunden wir erstmal unsere neighborhood für die nächsten Tage.

Ehrlicherweise schaffen wir es erst am letzten Tag mal bis ganz nach oben und lüften auch erst dann das Geheimnis der Massen an Mittagsgästen, die sich eben nicht nur im Foodcourt im Untergeschoss sondern auch in dem im 5. Stock gütlich tun. Auch wenn die nu-Mall zu den kleineren hier in KL gehört ist sie mindestens so groß wie OEZ, PEP, Pasing und Riem Arcaden zusammen. Auch die Nachbarschaft außerhalb der Mall ist bombastisch oder besser bombaybastisch

Der Elephantenbrunnen verrät hier ist Little India

Die Haupteinkaufsstraße ist hübsch mit Bögen verziert und erst abends belebt

Gegessen wird vom Bananenblatt

und wo salzige Limonade draufsteht ist auch salzige Limonade drin. Unser Elektrolythehaushalt kann es allemal vertragen. Um diesen nicht über Gebühr zu beanspruchen steht als nächstes eine Indoor Aktivität auf dem Programm. Wir besichtigen das Nationalmuseum

In einem kurzweiligen Ritt geht es von der Frühzeit über die malayischen Königreiche und die Kolonialzeit bis ins Heute in dem die verschiedenen kulturellen und religiösen Einflüsse und Werte hochgehalten werden

Die sind nicht nur im Museum sondern auch in der Metro sichtbar

Es gibt hier sogenannte Women-Only Coaches. Pink markierte Abteile, die Frauen vorbehalten sind. Ob das sinnvoll ist oder nicht? Die KI liefert zu dieser Frage direkt ein paar Schlagworte:
Symptombekämpfung statt Ursachenlösung, Opfer-Täter-Umkehr, Normalisierung von Belästigung im Rest des Zuges, Generalverdacht gegen Männer und Diskriminierung von non-binären und trans Personen. Und ja, da ist schon was dran. Aber die dort freien Sitzplätze gönnen Ida und ich uns trotzdem, um zum nächsten geschichtsträchtigen Ort dem Merdeka Square zu gelangen

Hier wurde am 31. August 1957 die britisch Fahne eingeholt, die Malaysische Flagge gehisst und somit die Unabhängigkeit weit sichtbar am zweithöchsten Fahnenmast des Landes um Mitternacht verkündet, die mit einer ordentlichen Parade am Morgen im Merdeka Stadium besiegelt wurde. Umgeben ist der Platz von kolonialen Prachtbauten. Den besten und klimatisierten Blick auf die gesamte Szenerie verpassen wohl die meisten. Auch meine Reisegruppe muss sanft an die Vorzüge der von mir weltweit geschätzten Institution erinnert werden und folgt mir immerhin nur leicht widerwillig in die Bibliothek. Während Ida im Kinderkühlschrank, äh Kinderbereich runter kühlt, genießen wir den gigantischen Ausblick auf Fahnenmast, Sultan Abdul Samat Building, KL Tower und ganz klein hinten sogar die Petronas Twin Towers

Da wir gerade bei Bücher und Kultur sind: Auf geht‘s ins REXKL. Durch die Straßen von Chinatown in denen Merdeka 118, das zweithöchste Gebäude der Welt versehen mit einer diamantförmigen Stahl-Glasfassade, für einzigartige Stadtbilder sorgt

und durch den Petaling Street Market

bei dem die Flut an Fake-Produkten ihres gleichen sucht. Gut, dass unser eigentliches Ziel das REXKL um die nächste Ecke liegt. In dem ehemaligen, zweimal abgebrannten einst größtem Kino der Stadt befindet sich inzwischen ein buntes Kultur- und Gemeindezentrum

Neben einigen Vintage-Stores ist das absolute Highlight das Buchladen-Labyrinth

Das Angebot „buy 2 get 1 free“ klingt bei näherer Betrachtung eher verzweifelt, als geschäftstüchtig. Scheint das Gros der Besucherschar doch mehr an der instagramable Kulisse als an Büchern interessiert. Auch wir queuen ein bisschen und gönnen uns schließlich noch ein gastronomisches Highlight

Mit feierlichem Ernst wird die malaysische Kaffeemischung vor unseren Augen gewissenhaft zubereitet. Sogar die Eiswürfel sind abgewogen. Und was soll ich sagen: Ich wusste nicht, dass kalter Kaffee so schmecken kann!

