Unser Gepäck ist, wie vom, Sea Gipsy Village (SGV) Resort in dem wir uns für die nächsten Nächte eingemietet haben, empfohlen wasserdicht verpackt. Je nach Witterung müsse man damit rechnen, dass das Gepäck und man selbst auf der Überfahrt nass wird. Bis zuletzt sind wir uns zwar nicht so ganz sicher, ob das nicht alles etwas übertrieben ist, aber lieber einmal zu viel den Inhalt unserer Rucksäcke in einem Müllsack verstaut als mit salzwassergetränkten Klamotten auf einer Insel ohne Waschmaschine sitzen. Letztlich hätten wir mehr Zeit auf uns als auf das Gepäck verwenden sollen, denn die Empfehlung mit den Müllsäcken ist überholt. An Board gibt es riesige Drybags, massive Plastikplanensäcke, in denen wir unsere Rucksäcke verstauen. In die passen auch ganze Koffer und da geht sicher nix durch. Aber übertrieben ist diese Maßnahme ganz und gar nicht. Das dämmert uns spätestens, als die ersten aus dem Boot aussteigen, die von der Insel zurückreisen. Ein kleiner Junge sieht aus, als hätte er noch schnell ein Bad im Hafenbecken genommen, die Mama trieft, zumindest einseitig und der große Bruder hat wohlweislich nur die Badehose an. Dann springt ein großer kräftiger ebenfalls sehr nasser Hüne in die Szenerie und poltert freundlich, handfest, britisch etwas in der Richtung, wer bisher nicht geglaubt hätte er würde bei der bevorstehenden Fahrt nicht nass werden solle sich bitte ihn und die anderen Damen und Herren hier ansehen. Er könne uns versprechen uns werde das gleiche Schicksal ereilen. Er und seine Crew würden jetzt noch eine kleine Pause machen, die wir gerne nutzen können um unsere Outfits zu überdenken. Schickt ein herzlich schallendes Lachen über den Jetty und kauft sich einen Kopi (Kaffee). Wir tauschen Turnschuhe gegen Flipflops, dann reiten wir los. Während der Fahrt lässt sich kein Foto machen aber hier kann man sehen, die Wellen sind größer als Ida

Ein heftiger Sturm auf dem Meer sorgt für den für diese Jahreszeit eher unüblichen Seegang. So fahren wir auch nicht direkt den Strand vor dem Ressort an, sondern Coconut Village

Das liegt auf der anderen Seite, der an dieser Stelle glücklicherweise sehr schmalen Insel, denn mit unseren Flipflops bzw, barfuß geht es noch kurz durch den Dschungel

bis wir Sea Gipsy Village erreichen

Schnell unsere Hütte

beziehen, raus aus den nassen Sachen und wieder rein in die Wellen diesmal mit Body Board. Damit schießen wir auf, über und unter den Wellen hindurch. Rechtschaffen müde fallen wir in unsere gut benetzten Betten

Wind, Ventilator, Wellen wiegen uns in den Schlaf und am Morgen kann man vom Bett aus den Sonnenaufgang verfolgen, sich umdrehen und noch ein bisschen weiterschlafen. So grooven wir uns in das Inselleben ein und lassen uns am nächsten Tag von Richard (der nasse Hüne) das Ressort im Rahmen der, wie er es nennt, Eco Tour zeigen. Seine Eltern haben das Resort 1992 übernommen und seitdem immer weiter ausgebaut und perfektioniert. Seit letztem Jahr führen er und seine Schwester die Geschäfte. Er selbst arbeitet aktiv seit kurz vor Corona hier voll mit und hat mit seiner findigen Crew einiges auf die Beine gestellt. Sein neuester und ganzer Stolz ist die pflanzliche Wasserfilteranlage

Damit wird das Grauwasser (den Tank haben wir auch gesehen) soweit gesäubert, dass man damit die Pflanzen wässern kann ohne die Luft merklich zu verpesten. Ansonsten gibt es auf dem Gelände ein Holzlager

und einen Schrotthaufen oder wie Richard es nennt eine Sammelstelle für nicht mehr benötigte Dinge, die sie hier für alles möglichen wieder verwenden. Darunter auch Kulissen der australischen Variante des Dschungelscamps von dem hier mehrere Staffeln auf der Insel gedreht wurden und deren Kulissen ansonsten vermutlich einfach im Dschungel geblieben wären, weil die Filmfirmen zu viel Geld haben. Hier entsteht in Schreinerei

Schmiede

und Werkstatt Neues daraus, vom Barhocker bis zum Türgriff. Auch eine Motorwerkstatt gibt es, in der sie zwar die Außenborder der Boote nicht selbst herstellen aber reparieren können. Apropos Motoren: Es gibt keinen Strom auf der Insel. Wer Elektrizität möchte muss sie selbst erzeugen und ja es scheint hier viel Sonne, aber nein Solaranlagen sind wegen der salzhaltigen Feuchte keine Option. Statt dessen arbeiten sie mit zwei Dieselgeneratoren. Ja er weiß, nicht toll, aber er hat bisher keine besser Idee. Und zumindest bei der Wartung der Generatoren zeigt sich wieder der Innovationsgeist. Während Corona hat ein Filter schlappgemacht. Aus China kamen keine Waren, das Teil war nicht aufzutreiben. Einer seiner Handwerker kam, dann auf diese Idee

Richtig, ein leeres Marmite-Glas. Seit sechs Jahren im Dienst. Für anderen Müll haben sie auch Lösungen parat. Die Windelkompostieranlage

because the nappies are a big problem – if you burn them it smells realy realy awful. Können wir uns vorstellen, stinken ja schon ohne, dass man sie anzündet. Aber für den Rest gibt es tatsächlich eine eigene Müllverbrennungsanlage

Dort wird nicht nur der Müll des Ressorts verbrannt (bis auf Plastikflaschen und Dosen, die werden zurück zum Festland gebracht und dort, wie in ganz Malaysia, recycelt), sondern auch das was am Strand angespült und von den fleißigen Mitarbeitenden morgens eingesammelt wird. Wie viel das sein muss werden wir auf unseren Erkundungstouren noch zu sehen bekommen. Aber jetzt sind wir erstmal von Richards Enthusiasmus und Freude an seiner Lebensaufgabe beeindruckt und werfen noch einen Blick in sein neuestes Lieblingsprojekt: den Garten. Hier werden Kokospalmen zur Strandsicherung gezüchtet. Deren Wurzeln sollen dabei helfen, dass nicht immer mehr Strand im Meer verschwindet

Wobei ihm seit er vierzig ist die Sache mit dem gärtnern erstaunlich viel Freude bereitet und er sich inzwischen auch an Blühendes wagt. Sollte hier auch ganz gut klappen!
