Georgetown

von Kathrin

Allen Versuchungen zum Trotz sind wir immer noch alle leicht bepackt und sitzen anderntags am Bahnhof. Wo wir her kommen, wo wir hin wollen und vor allem, wie wir es geschafft haben ein Zugticket zu kaufen erkundigt sich ein älterer Herr freundlich interessiert. Ah Germannieee, also wenn er mal noch nach Germany käme, er wüsste ja nicht, wie man sich da ein Zugticket kauft. Haha. Wir auch nicht, nein Spaß beiseite: Internet. Ja, ja hat er schon mal gehört. Tolle Sache, aber er wolle gar nicht weiter stören, gute Reise und welcome to Malaysia. Noch drei Kleinkindern zugewunken, nachgefragt, ob das auch das richtige Gleis ist und schon brettern wir nach Butterworth. Dort geht es dann mit vielen Menschen und noch mehr Mopeds auf die Ferry

mit der wir nach Georgetown übersetzen

Hip und angesagt sei es hier, eine Mischung aus vibrant und entspannt. Idas Schnupfnase hat sich zwischenzeitlich bei mir eingenistet, ich bin deshalb erstmal für entspannt und Teile der Reisegruppe haben immer noch keine Lust auf malaysisches Essen und da Georgetown als Foodparadies gilt gibt es hier angeblich auch sehr gute Alternativen. Um die Ecke liegt ein Japaner

und Ramen sind gut für die Gesundheit. Auch gut ist gemütliches schlendern, das wir am nächsten Tag praktizieren. Vorbei an der Moschee

dem Hindutempel

geht es durch Littel India

zur Townhall

die sich, wie alle öffentlichen Plätze um sie herum auf die große Party zum Unabhängigkeitstag am 31. August vorbereitet. Überall wird gehämmert, gebaut und gemalert

Farbenprächtig präsentiert sich auch unser nächstes Ausflugsziel am Rande der Stadt. Der Kek-Lok-Tempel

Die chinesisch-buddhistische Anlage ist einer der größten ihrer Art in ganz Asien. Es verschmelzen hier wohl buddhistische Inhalte mit daoistischen Ritualen und Wahrsagerei. Wir können das leider nicht alles auseinanderhalten, aber ein Ringit für einen Wunsch scheint eine gute Investition. Der am Hang und über mehrere Ebenen gebaute Tempel ist auch architektonisch spannend

wenn auch noch wie nicht ganz abgeschlossen. Finanziert wird das ganze durch Spenden und Einnahmen die in den immer wieder eingestreuten Shops

gemacht werden. Ganz oben thront noch die beeindruckende Statue Kuan Yin, Göttin der Gnade oder auch Bodhisattva des Mitgefühls

Mit Beidem sind wir sehr einverstanden, transpirieren und sinnieren noch ein bisschen in der hübschen Pagode auf dem Koi-Karpfen-Teich. Eigentlich wäre es von hier nicht weit zum Penang Hill. Aber hier ist heute ziemlicher Smoke und schlechte Sicht. Anscheinend Burningseason in Indonesien, wie uns der Grab-Fahrer auf der Herfahrt erläutert. So fahren wir lieber zurück in die Stadt, jagen noch ein paar Street Art Berühmtheiten

probieren endlich Cendol vom gehypten Straßenstand

das aus geschabtem Eis, Kokosmilch, Palmzucker, Gelee-Würmchen aus Reismehl und Pandanblättern und roten Bohnen besteht. Erstaunlich erfrischend und sehr schmackhaft! Und statten zu guter letzt dem Chew Jetty noch einen Besuch ab

Das ist einer der sogenannten Clan Jettys. Diese entstanden im späten 19. Jahrhundert durch die Einwanderung chinesischer Arbeiter. Neben der Nähe zu ihren Arbeitsstätten, dem Hafen, boten die nach Clans organisierten Anlagen Schutz und Zusammenhalt in der Fremde. Ein wahrscheinlich ebenfalls nicht ganz unwichtiger Aspekt: Bis heute ist dort keine Grundsteuer fällig, da die Häuser auf Stelzen im Meer und nicht auf Land stehen. Der Chew Jetty hat sich für Touristen geöffnet, neben Wohnhütten gibt es viele Shops und Cafés, andere Jettys sind auch heute noch reine Wohnanlagen. Spannend, aber bei Ebbe und wahrscheinlich auch sonst doch eher gewöhngsbedürftig

Apropos Gewöhnung: Der nächste Reisetag steht an. Daran sind wir inzwischen gewöhnt und das Ziel ist ebenfalls bekannt: Mal wieder KL Sentral

Diesmal nur zum umsteigen, aber irgendwie fühlen wir uns schon ganz heimisch. Wieso wir schon wieder hier sind? Wir treffen uns mit Mederers. Kaum zu glauben, aber wahr. Sabine und Family sind zeitgleich hier. Das hätten wir nicht besser planen können! So tauschen wir mehr als gerne einen langweiligen Abend im Flughafenhotel in ein lustiges Hotpot-Event, entern noch eine Rooftop-Bar

und schaffen gerade noch so den letzten Zug zurück zum Flughafen. Nach einer kurzen Nacht verabschieden wir uns von Malaysia gen Nordosten. Terima kasih dan jaga diri!

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