Pulau Sibu Teil 2

von Kathrin

Der Sturm auf dem Meer ist am abflachen, aber so richtig „normal“ Bedingungen herrschen nach wie vor nicht. Trotzdem wird ein Schnorchel Ausflug und ein Refresher, also ein Auffrischungs-Tauchgang für Diver die schon länger nicht mehr im Wasser waren angeboten. Da sind wir dabei. Benjamin rüstet sich für seinen ersten Tauchgang nach zwanzig Jahren

Ida und ich schnappen uns Flossen, Brille und Schnorchel. Es geht für alle an den gleichen Spot Mentinggi Island. Eigentlich ist an der hellen Stelle im Meer eine lange Sandbank, die heute vom Wasser überflutet ist, trotzdem wunderschön

Neben der Sandbank fehlt auch die visability (not the view), also die Sicht (nicht die Aussicht) die nicht, so wie die Bilder vermuten lassen klar und weit ist, sondern eher Starnberger See mäßig Schwebeteilchen dominiert und kurz. Auch Benjamin und ein weiterer Refresher sehen nicht viel mehr als wir, auch wenn sie weiter draußen sind. Insgesamt also doch keine Aussicht auch wenn es Sicht heißt. Ein paar bunte Fischis sehen wir trotzdem alle und die Aufgabe sich mit dem Equipment (wieder) vertraut zu machen meistern wir auch.

Da wir in einem, wenn auch rustikalem, aber doch Resort sind gibt es hier pünktlich dreimal täglich essen 8-1-8 lautet die Formel und so sind wir Großen nachmittags so fit, dass wir uns noch auf den Mangroove Walk mit Ezra begeben. Der scheint ganz froh, dass sich doch noch zwei finden, die den buchen, sonst hätte er sicher Komposterde verteilen, Nappies nachwerfen oder Ähnliches machen müssen. So lernen wir erstmal, dass es rote und schwarze Mangroven gibt und die einen mittels „Schnorchel“-Wurzeln das Wasser filtern und die anderen alles Stoffe die schädlich sind in ein Blatt pro Verästelung stecken, das dann abfällt. Denn Mangrooven wachsen als einziger Baum im Salzwasser

Hier das ganze bei low tide, also Ebbe, sonst könnten wir da gar nicht durch gehen

Über die Felsen

geht es mit Blick auf Kampung wieder Richtung zurück. Kampung heißt übrigens einfach Dorf und auf vielen Insel gibt einen solchen Ort. Hintergrund dafür ist ein Strukturentwicklungsprogramm der Regierung. Die hat die meist verzweigt lebenden Inselbewohner dazu bewegt sich an einem Hauptort gemeinsam niederzulassen und spendierte eine Schule und einen Jetty. Beides ist im Falle von Sibu ziemlich überdimensioniert

Auf dem Bild sieht man unterhalb des Hügels kleine Wohnhäuser, rechts der große Klotz teils von Bäumen bedeckt ist die Schule. Der Jetty ist davor, hat ein blaues Dach und ragt sehr weit ins Meer. Am besten zoomt ihr ein bisschen rein, aber sonst hätte der Jetty nicht ganz drauf gepasst.

Für Schule und Jetty wurde wohl ein Plan für die größte Insel gemacht, der dann einfach auf alle anderen Inseln des Programms übertragen wurde. Was die Leute davon halten? Schulterzucken, Augenbrauen heben, what do you think? Eine zu große Schule und ein zu langer Jetty sind vielleicht lächerlich, aber im Vergleich zu unserem nächsten Ziel tatsächlich einfach nur ein Witz.

Es geht eine betonierte Auffahrt hoch, vorbei an verwilderten Brunnen. Das schönste und größte Ressort der Insel sei hier gewesen. Gebaut wurde es 12 Jahre lang. Betrieben nur 8. Warum? Die Kurzform: Auf einer Insel ohne Strom ein Luxusressort mit Einzelbungalows mit Glasfront und Klimaanlage betreiben zu wollen ist eine wirklich bescheuerte Idee. Jetzt steht hier ein Lost Place aller erster Güte

und noch mit reichlich Inventar

Das Ressort wurde wohl vollständig möbliert hier einfach zurückgelassen. Ein Jahr lange wurde noch ein Dorfbewohner als Securtity Man bezahlt, da die Besitzer versucht haben sollen das Ressort zu verkaufen. Hat wohl niemand haben wollen. Seltsam. Als der Security Man kein Geld mehr bekommt geht er davon aus, dass das Arbeitsverhältnis beendet ist. Jetzt erobert sich die Natur das Land langsam aber sicher zurück

So zumindest die diplomatische Erzählung. In der weniger diplomatischen Version kämen sicher ein paar stinksaure Inselbewohner vor, Meinungen zum malayischen Bodenrecht und dazu warum eigentlich niemand verpflichtet ist seinen Müll wieder wegzuräumen, geschweige denn dass es niemanden gibt, der das ernsthaft durchsetzen könnte. Da jammere mal noch jemand über deutsche Bürokratie. Wir sind jedenfalls froh, dass in „unserer“ Bar Strom und Luftzirkulation gesichert sind

und es anscheinend auch Menschen gibt, die in der Lage sind mit den vorhandenen Ressourcen einen stimmigen Ort zu schaffen und zu erhalten. Neben unserem Sea Gipsy Villlage scheint das im Adults-Only Ressort Rimba auch gut zu funktionieren. An dem fahren wir anderntags vorbei als wir zwei Buchten weiter nochmal einen Schnorchel und Tauchausflug machen

Visability nochmal schlecht, sprich wir sehen keine Fische dafür finden wir allerlei Muscheln

und dann heißt es schon Rucksäcke wieder verpacken

und weiter geht‘s zur nächsten Insel.

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