Aufmerksamen Leserinnen und Lesern ist es vielleicht aufgefallen, auf dem letzten Bild sitzen Ida und ich in unserem hübschen Partnerlook in der Metro, die uns zum Bahnhof bringt in dem wir dank ausgiebiger vorab Recherche relativ schnell den richtigen Bahnsteig finden. Der Eingang zu diesem liegt nämlich im Obergeschoss von wo aus wir dann runter in den tunnelartigen Bahnsteig gelangen

Auch auf die Temperatur im Zug dachten wir vorbereitet zu sein. Aber das „sehr gut klimatisiert“ 18 Grad bedeutet war dann doch etwas überraschend. Also noch ein zwei T-Shirt übergezogen und ins Badetuch kuscheln so haben es Ida und ich dann ganz gemütlich. Benjamin hat leider nicht so viel Glück. Er harrt in seinem einzigen langärmligen Teil neben einem summenden Macho-Chinesen aus, der zwar seine Fragen, die ihn gerade so umtreiben in sein Handy flüstert, die Antworten lässt er sich dafür um so lauter via Sprachausgabe vorlesen. Das macht natürlich noch keinen Macho aus ihm. Dieser Eindruck drängt sich uns auf, weil er mit Familie unterwegs ist, die ein paar Reihen vor ihm sitzt. Eine Frau, drei Kinder. Die Tochter versucht mehrfach mit ihm in Kontakt zu treten, wird aber immer wieder zurück geschickt. Entweder weil die gestrenge Schaffnerin genau notiert hat wer wo sitzt, und die Tochter sitzt offiziell nicht auf dem Platz vor Papa von dem aus sie engelsgleich auf ihn einredet, oder es gibt das, was auch immer sie versucht zu erbetteln einfach nicht – basta. Während ich mir noch ausmale worum es gehen könnte wirbelt die Mama durchs Abteil, immer den Kleinsten auf dem Arm, versorgt alle mit Essen, sammelt den Müll wieder ein, geht mit der mittleren auf‘s Klo, schimpft mit dem Älteren und organisiert den Ausstieg. Dabei muss das Familienoberhaupt dann doch noch mit anpacken und nach der dargebotenen Performance könnte es auch sein, dass es sich gar nicht um Machoismus sondern um Selbstschutz handelte und der Herr bewusst weit weg platziert wurde, damit er wenigstens während der Fahr nicht stört. So unterhalten schaukeln wir durch die grün-grüne Landschaft

und erreichen nach 4 Stunden Johor Bahru, oder kurz JB. Nach KL die zweit größte Stadt Malaysiens und auf Grund der Nähe zu Singapore ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und beliebtes Ausflugs- uns Vergnügungsziel. Dementsprechend voll ist es hier an einem Samstag im Supermarkt

Wir brauchen noch ein paar Kleinigkeiten und zudem haben Teile unserer Reisegruppe das dringende Bedürfnis aus dem Hotelzimmer des Grauens zu flüchten. Und nein, selbst das Earthquakehaus auf Chios war nicht ansatzweise so schlimm und in dem hat in den Rohren ein Tausendfüßler gelebt. Gut, gelebt hat in dem Hotelzimmer wahrscheinlich nichts mehr, weil alles ausgeräuchert. Jawohl geräuchert, Rauch, Raucherzimmer. Da war dann auch klar woher die Löcher in den Sofas kamen und wahrscheinlich hat sich die Tapete wegen Nikotinüberschuss schon an manchen Stellen versucht von der Wand zu trennen. Vom Teppich will ich gar nicht erst anfangen. Es wurde dann nochmal der einzigartige Ionisierer, der wirklich immer ganze Arbeit leistet angeworfen und vielmals um Entschuldigung gebeten. Aber mei, wenn man schon als man selbst noch geraucht hat das nicht mehr in geschlossenen Räumen machte ist man offensichtlich olfaktorisch empfindlicher als alle Ionidingens zusammen. Also nix wie raus und bevor der Katzenjammer zu groß wird findet Benjamin einen Laden in dem an absolute Wahrscheinlickeit grenzend ein Bier zum Essen kredenzt wird. Das ist hier nämlich generell eher unüblich. Aber der Name „Bierhaus“ lässt hoffen

Das Ambiente ist irgendwas zwischen Pub und Strandbar und wir trauen uns nicht die deutschen Spezialitäten zu testen. Das Foto der Schnitzelplatte scheint uns sehr suspekt und eine Soße möchte ich dazu auch nicht, auch wenn ich sie selbst auswählen darf. Dann doch lieber Beef Rendang. Das dazu kredenzte ungetoastete Toastbrot interpretiere ich als Reminiszenz an die Briten und nach der Hälfte des Tellers bin ich einfach nur über die Schärfe abmildernde Wirkung dankbar. Ida versucht sich am italienischen Teil der Karte und bestellt Spaghetti al arrabiata, da kann nicht viel schiefgehen und tut es auch nicht und Benjamin, wir sind schließlich im Pub, verkostete den Burger, der warum auch immer irgendwie asiatisch schmeckt.
Die Jungs vom Badmintonclub haben Jubiläum und verbreiten zusätzlich gute Laune

Mit Hilfe von gefrorenem Hochprozentigen

versuche ich meinen Geruchssinn abzutöten und zusammen mit dem Gedanken an unser nächstes Ziel vergeht auch diese Nacht irgendwie und schon sitzen wir im Kleinbus der uns zum Jetty bringt

